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Menschen, die heute die
Steinbearbeitung von Hand beherrschen, muten an wie Saurier im
JurrasicPark der elektronisch-technischen Berufe des 21.
Jahrhunderts.
Robert Weich, 52, Hausruckviertler, gehört zur aussterbenden
Spezies der Steinmetze und Bildhauer. In seinem Bauernsacherl in
Gaspoltshofen rückt er dem Fels zu Leibe. Erlernt hat er das
Handwerk vom Vater, der es seinerseits wiederum vom Vater erlernt
hat. Redet er vom harten Stein, zeichnen seine Hände sanfte,
harmonische Bewegungen in die Luft. Der Stein, männlich, bekommt
weibliche Rundungen. Den eckigsten Türstock, die kantigste Stufe
rundet ein geschliffenes Profil ab.
Stein auf Stein. Dynamit sprengt einen 20-Tonnen-Fels aus dem
Berg. Der Block wird auf ungefähre Objektgröße gespalten und
per LKW zum Bildhauer verfrachtet. Jetzt beginnt die Handarbeit.
Weich spricht ehrfürchtig vom groben Klotz: "Wenn ich mir
anmaße, den Stein zu verarbeiten und auf ihn eingehe, muss ich Rücksicht
auf sein Gefüge nehmen." Die erste Begegnung ist wie das
Rendezvous mit einer neuen Liebe: Ein Kennenlernen, ein Befühlen,
ein Begreifen. Am Klang des Steins weiß der Fachmann "was
mit ihm los ist" und beurteilt, ob er für die Skulptur
geeignet ist: "Die Auswahl des passenden Steins dauert
mitunter Jahre. Michelangelo hätte David nicht aus dem Stein
herausgedroschen, hätte er ihn nicht drei Monate lang
abgeklopft." Kalkstein und Marmor sind "weiche"
Steine und können nur mit Granit geschliffen werden. Dem
Urgestein Granit hingegen zeigt der Steinmetz den Herrn mit dem
edelsten aller Steine, dem Diamanten. Jeder Stein wird wieder mit
einem Stein bearbeitet. Die Auseinandersetzung des Menschen mit
dem Naturgiganten ist eine harte Angelegenheit. Der Stein wehrt
sich. Selbstgemachte Weisheit des meißelnden und schleifenden Künstlers:
"Der Stein darf nie gewinnen! Sonst würde ich nichts
verkaufen."
Der Spaß des Künstlers liegt in der Freiheit, dass die Skizze
immer Skizze bleibt und nie "Plan" wird. Das Endprodukt
kann ganz anders aussehen als der Entwurf. Weich-Werke haben
keinen polierten Glanz, sind nie maschinell geschliffen.
Mattseidene Oberfläche überzieht den Stein wie eine Fotografie.
Der Schaffende ist Philosoph. Umgeben von steinernen Schönheiten
in einer Landschaft mit Wiesen und Teichen: "Da bin i, da
bleib i!" Es gibt nichts "Schwereres", als einen
Stein zu behauen und als fertiges Kunstwerk wegzugeben. Robert
Weich empfindet Trennungsschmerz. Er hat Stücke in seiner
Sammlung, die so lange gelegen sind, dass sie nie mehr
weiterbearbeitet wurden.
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